Raphael wollte eigentlich ganz gesittet die neue Folge anmoderieren, doch Laurence grätscht wie gewohnt mitten in den Begrüßungssatz. Schon fühlen sich die beiden Brüder zurückversetzt ins gemeinsame Kinderzimmer, feilschen um Mikrofonpegel und Raphael gesteht seine heimliche Faszination: eine über 90-teilige Dokumentation des Hessischen Rundfunks über den Frankfurter Flughafen. Wer Raphael neben eine Flugzeugturbine setzt, bekommt ihn so schnell nicht mehr an die Tastatur. Zum Glück ging es am Stammtisch dann doch um handfeste ERP-Themen: Neben ersten bestätigten Zahlen zum kontroversen Odoo 20 Lizenzmodell gab es große Neuigkeiten direkt aus der LABISO-Entwicklungsschmiede.
🚀 Labidoo Cloud: Bare-Metal-Hardware statt Odoo.sh-Lotto
Laurence hat die letzten Monate im Hintergrund an einem massiven Infrastruktur-Upgrade getüftelt. Die Mission: Hosting, das nicht nur mitspielt, sondern kompromisslos liefert. Laurence beschreibt sein Herzensprojekt so: "Labidoo Cloud ist, wir haben ja immer schon unser Hosting selber gemacht, ja? Aber jetzt das ist mein Baby. Also, ich habe das komplett neu geschrieben."
Seit Ende April steckte er jede freie Minute in die neue Architektur. Statt geteilter Virtualisierungsschichten setzt die Plattform auf dedizierte Bare-Metal-Hardware in deutschen Rechenzentren, sauber verdrahtet in einem performanten Cluster. Der Unterschied im laufenden Betrieb ist gewaltig. Laurence bringt es gewohnt direkt auf den Punkt: "Das Ding rennt wie Dreck. Das merkt man auch, also ja, also bis zu 400 % schneller. Ist unser Odoo geworden."
Bis zu viermal schnelleres Arbeiten begeistert Administratoren, doch für Unternehmen zählt vor allem planbare Stabilität. Wer auf Odoo.sh hostet, kennt das typische Montags-Bauchweh: Automatische Updates greifen oft ungefiltert in laufende Prozesse ein und hinterlassen nicht selten Baustellen in sensiblen Bereichen wie dem Rechnungswesen. Auf der neuen Hosting-Plattform von LABISO läuft das kontrolliert ab. Odoo Community und Enterprise werden kuratiert alle zwei bis drei Monate aktualisiert. Kritische Sicherheitsupdates fließen gezielt und isoliert ein, während das Produktivsystem verlässlich bleibt. Zudem bestimmt jedes Unternehmen sein eigenes 30-minütiges Wartungsfenster selbst. Ein E-Commerce-Händler mit starkem US-Nachtgeschäft legt geplante Deployments kurzerhand auf 7:00 Uhr morgens.
Für die Sicherheit gegen Katastrophenfälle sorgt eine durchdachte Disaster-Recovery-Strategie: Nächtliche Backups landen mehrfach gesichert an verteilten Standorten innerhalb Deutschlands und der EU. Wer Sicherungsdaten zusätzlich im eigenen Haus vorhalten möchte, richtet dafür einfach einen automatisierten Export ein.
🛠️ Freigaben und Mahnwesen: Flaschenhälse in der Führungsebene sprengen
Neben der Plattform hat das LABISO-Team neue Funktionsbausteine für Labidoo fertiggestellt. Ab Version 19 steht ein mächtiges Freigabe-Framework bereit. Standardwerkzeuge wie Odoo Studio stießen bei echten Genehmigungsketten schnell an ihre Grenzen: Mehr als einfache Buttons ließen sich kaum absichern, während Statuswechsel oder Hintergrundaktionen unkontrolliert durchliefen.
Das neue Labidoo-Framework greift tiefer. Ob Angebote versenden, Rechnungen buchen oder Projektaufgaben verschieben: Genehmigungsschritte lassen sich flexibel nach Beträgen, Status oder Benutzerrollen staffeln. Ein typisches Praxisszenario: Angebote bis zu einem bestimmten Schwellenwert gibt der Verkaufsleiter frei. Geht es um ein Volumen über 500.000 €, wandert der Beleg automatisch zur Geschäftsführung. Erst wenn die letzte Instanz digital zustimmt, wird das Angebot tatsächlich verschickt. Eine Aktivitätenanzeige oben rechts im Menüband zeigt jedem Entscheider sofort, welche Aufgaben auf Freigabe warten.
Dahinter steckt ein klarer prozessualer Hebel, wie Laurence betont: "Labidoo ist ja auch spezialisiert. ERP einzuführen, um um Bottlenecks zu sprengen. Also bedeutet, um Engpässe zu sprengen, ne? Damit man einen dicken Return of Investment bekommt." Wenn Inhaber und Geschäftsführer nicht mehr jedes Routineangebot selbst abtippen, sondern nur noch gezielt bei definierten Grenzwerten per Klick prüfen, spart das wöchentlich wertvolle Arbeitszeit.
Flankiert wird das Ganze durch ein überarbeitetes Mahnwesen und begleitende Lerninhalte. Wie schon in unserer Folge 73 zur Odoo E-Learning App besprochen, scheitern Systeme selten an der Technik, sondern am fehlenden Prozessverständnis. Der Kurs vermittelt anhand echter Geschäftsfälle, wie rechtliche Vorgaben, Kundenkommunikation und Systemlogik im Mahnwesen sauber ineinandergreifen.
💶 Odoo 20 Pricing: Fakten zu Light Usern und Custom-Lizenzen
Nach den ersten Reaktionen in Folge 79 zu Odoo 20 liegen nun handfeste Fakten zur künftigen Preisgestaltung auf dem Tisch. Die Anpassungen betreffen zwei Kernbereiche:
- Custom-Lizenz-Zuschlag: Auf die Custom-Lizenz kommt eine Preiserhöhung von 20 Prozent zu. Da reine Standard-Setups ohne individuelle Module oder Odoo Studio in mittelständischen Betrieben die absolute Ausnahme sind, betrifft dieser Aufschlag praktisch fast jedes Unternehmen.
- Gebühren für Light User: Jeder angelegte Datensatz in der Mitarbeiter-App kostet künftig rund 7,90 € pro Monat – ganz gleich, ob die betreffende Person jemals einen regulären System-Login nutzt.
Laurence kritisiert die begriffliche Verwässerung deutlich: "Ab Odoo 20 bezahlst du für jeden Mitarbeiterdatensatz in deinem Odoo diesen Light User. Was ich sehr, dann würde ich das anders nennen, weil ein Light User ist ein User."
Finanziell hängt der Einschlag stark von der Unternehmensstruktur ab. Hat ein Betrieb 5.000 Beschäftigte auf der Gehaltsliste, arbeitet aber nur mit 1.000 Vollnutzern (während die restlichen 4.000 lediglich an Maschinen stehen oder Zeiten stempeln), fallen für die übrigen Mitarbeiterdaten monatlich jeweils 7,90 € an. Dennoch bleibt Odoo im direkten Vergleich mit traditionellen Systemen wie SAP oder Microsoft preislich konkurrenzfähig. Was Laurence und Raphael vielmehr stört, ist die Art der Kommunikation:
"Die Preiserhöhung ist okay und auch, dass man dafür Geld nimmt, Vergleich zu allem anderen ist okay. [...] Was aber nicht okay ist und war, ist die Art und Weise, wie."
Statt die Umstellung transparent auf der großen Konferenzbühne vorzustellen, sickerte die neue Logik über die offiziellen Lizenzbedingungen und den Quellcode durch, sodass selbst Odoo-Mitarbeiter vor Ort zunächst keine klaren Auskünfte geben konnten.
📦 Ausblick auf Sales: Freitext, Auftragsabschluss und TikTok
Bevor es in der kommenden Folge tiefer in die Verkaufs-App von Odoo 20 geht, gab Laurence bereits einen kleinen Vorgeschmack. So wird es künftig möglich sein, Textzeilen ohne hinterlegtes Produkt direkt in Verkaufsaufträge zu schreiben – eine Funktion mit weitreichenden Folgen für Folgebelege und Auswertungen. Zudem können Aufträge endlich als vollständig abgeschlossen markiert werden, statt endlos offen in Listen zu verweilen. Für Heiterkeit sorgte außerdem eine überraschende TikTok-Integration im Sales-Bereich. Ob man Großprojekte demnächst vor der Unterschrift auf Video vortanzen muss, bleibt abzuwarten.
Liebe Stammis, habt ihr Fragen zu den neuen Lizenzmodellen oder wollt eure Prozesse auf eine stabile Hosting-Infrastruktur heben? Schreibt uns gern an podcast@labiso.de oder informiert euch direkt auf www.labiso.de.