Odoo 20 bringt im Verkauf mehr als nur Positionen ohne Produkt. Viele Änderungen sind klein, verändern aber den Alltag im Vertrieb – manche positiv, manche mit Nebenwirkungen.
Wir haben die Verkaufs-App von Odoo 20 in einer Testdatenbank mit Beispieldaten durchgespielt: vom Angebot über Lieferung und Rechnung bis zum Kundenportal. Hier sind die Neuerungen, die Sie vor dem Umstieg kennen sollten.
Die auffälligste Neuerung – Angebotspositionen ganz ohne Produkt – behandeln wir ausführlich in einem eigenen Beitrag: Odoo 20: Angebotspositionen ohne Produkt – Einstellung, Folgen, Fallen.
Das Wichtigste in Kürze
- Positionen ohne Produkt sind Standard – mit Folgen für Lager, Buchhaltung und Auswertung. Mehr dazu im eigenen Beitrag.
- Dashboard über der Angebotsliste ersetzt Menüpunkte wie die abzurechnenden Aufträge.
- Brutto/Netto-Schalter pro Angebot – er rechnet aber keine Preise um.
- Preislistenwechsel rechnet sofort neu und überschreibt manuelle Preise.
- Abschnitte lassen sich als Bausteine speichern und mit einer Menge vervielfachen.
- Abrechnung lässt sich manuell abschließen, Mehrmengen bei Dienstleistungen werden direkt mit abgerechnet.
Dashboard über der Angebotsliste
Über der Liste der Angebote und Aufträge stehen jetzt Kacheln: zu bestätigen, zu liefern, abzurechnen. Ein Klick filtert die Liste. Rechts daneben zeigt Odoo Anzahl der Aufträge und Umsatz für einen wählbaren Zeitraum, jeweils mit Veränderung zur Vorperiode.
Dafür ist das Menü schlanker geworden. Unter „Aufträge“ stehen nur noch Angebote, Aufträge und Kunden. Das bisherige Menü für abzurechnende Aufträge gibt es nicht mehr – die Kachel ersetzt es. Wer seine Abläufe an Menüpunkten geschult hat, sollte das vor dem Umstieg wissen.
Brutto oder netto pro Angebot
Über den Positionen sitzt ein neuer Schalter exkl. Steuern / inkl. Steuern. Damit erfassen Sie ein Angebot wahlweise mit Brutto- oder Nettopreisen, etwa für Privatkunden. Der Standard kommt aus der Unternehmenseinstellung.
Wichtig: Der Schalter rechnet keine Preise um. Er ändert nur, ob ein Preis als netto oder brutto gilt. Wer nach der Erfassung umschaltet, ändert den Wert des Angebots: In unserem Test sank der Nettobetrag von 4.833,33 € auf 4.061,62 €. Umgekehrt gilt dasselbe – ein im Bruttomodus übernommener Produktpreis von 415,31 € bleibt nach dem Zurückschalten als Nettopreis stehen. Wählen Sie den Modus deshalb, bevor Sie Positionen erfassen.
Preislistenwechsel rechnet sofort neu
Die Schaltflächen „Preise aktualisieren“ und „Steuern aktualisieren“ sind weg. Wechseln Sie die Preisliste oder die Steuerposition, rechnet Odoo alle Positionen sofort neu – ohne Rückfrage.
Das spart Klicks, überschreibt aber auch manuell verhandelte Preise. In unserem Test wurde ein bewusst auf 850 € gesetzter Schreibtischpreis beim Wechsel auf die Händlerpreisliste zu 809,10 €. Nur die Freitextzeile behielt ihren Preis. Erst Preisliste wählen, dann verhandeln.
Abschnitte als Bausteine – mit Menge
Angebotsvorlagen sind in Odoo 20 immer aktiv. Neu sind Abschnittsvorlagen: Über das Menü an einem Abschnitt speichern Sie ihn mit allen Positionen als Baustein.
In jedem neuen Angebot fügen Sie den Baustein über „Abschnitt hinzufügen“ wieder ein – Freitextzeilen inklusive.
Zusätzlich haben Abschnitte jetzt eine Menge. Setzen Sie sie auf 4, vervielfacht Odoo alle Positionen darin. So wird aus einem „Arbeitsplatz-Paket“ mit einem Handgriff ein Angebot für vier Arbeitsplätze.
Auch ganze Aufträge lassen sich über das Aktionsmenü als Vorlage speichern. Weggefallen ist dagegen die Standardvorlage je Unternehmen, mit der neue Angebote automatisch vorbefüllt wurden.
Positionsnummern im Angebot
Die neue Einstellung „Line Numbers“ nummeriert die Positionen – im Formular und im PDF. Abschnitte zählen dabei mit, eine hierarchische Nummerierung wie 1.1, 1.2 gibt es nicht. Ebenfalls neu: Produktbilder können wahlweise im PDF und im Online-Angebot erscheinen.
Gut zu sehen ist auch: Für den Kunden unterscheidet sich eine Freitextzeile nicht von einer Produktposition – mehr zu den Folgen im Beitrag über Positionen ohne Produkt.
Abrechnung manuell abschließen
Manche Aufträge werden nie ganz abgerechnet – etwa weil der Kunde auf einen Rest verzichtet. Bisher blieben sie dauerhaft in der Liste „Abzurechnen“. In Odoo 20 schließen Sie die Abrechnung über das Aktionsmenü ab. Der Auftrag gilt dann als abgerechnet und verschwindet aus „Abzurechnen“. Der Schritt wird im Chatter protokolliert und lässt sich über „Rechnungsstellung erneut öffnen“ rückgängig machen. Das funktioniert auch für mehrere Aufträge auf einmal aus der Liste. Die Positionen selbst bleiben unverändert – geändert wird nur der Status des Auftrags.
Mehrmengen bei Dienstleistungen
Wird bei einer Dienstleistung mehr geliefert als bestellt – zum Beispiel acht statt sechs Montagestunden –, erkennt Odoo die Mehrmenge. Im Rechnungsassistenten erscheint eine Option, die Mehrmenge gleich mit abzurechnen. Die deutsche Beschriftung „Mehrkostenberechnungen“ ist dabei noch etwas holprig. Das gilt für Dienstleistungen, die nach bestellter Menge abgerechnet werden – nicht für Lagerware und nicht für Freitextzeilen.
Achtung bei Festpreisen: Die Option ist bereits angehakt. Wer einen Festpreis zugesagt hat, sollte den Haken vor dem Erstellen der Rechnung entfernen. Ohne Haken wird nur die bestellte Menge berechnet.
Kundenportal mit Lieferstatus
Im Kundenportal sieht der Kunde jetzt den Lieferstatus direkt im Auftrag. Neu in Odoo 20, aber von uns noch nicht durchgespielt: Kunden können Retouren selbst im Portal anmelden und erhalten ein Retourenlabel. Die Funktion wird im Lager unter „Spontane Rücksendungen erlauben“ eingeschaltet.
Kurz notiert
- Marge immer an Bord: Das Margenmodul installiert sich automatisch. Die Marge steht im Summenblock jedes Angebots, und aus einer Zielmarge rechnet Odoo den Preis zurück.
- Online-Zahlung: Das Häkchen „Online-Zahlung“ am Angebot entfällt. Ob eine Zahlung nötig ist, ergibt sich aus der Vorauszahlung in Prozent; neu lässt sie sich auch als Betrag angeben.
- Dienstleistungen & Materialien: Eine neue Einstellung erlaubt es, Leistungen und Material in einer Liste auf Kundenaufträge zu buchen und weiterzuberechnen.
- Preislisten: Regeln heißen jetzt Rabatt, Aufschlag oder Festpreis. Die frühere Berechnungsart „Formel“ entfällt; Regeln sind je Verpackung möglich.
- Katalog: Der Produktkatalog im Angebot filtert auf Produkte, die der Kunde schon gekauft hat.
- CRM: Die Auftragssumme an der Verkaufschance zählt jetzt brutto statt netto.
- Enterprise: Die Vermietung ist neu aufgebaut – mit einem Mietzeitraum je Produkt statt Preistabellen. Abonnements erhalten einstellbare Zahlungserinnerungen und Kündigungen mit Datum.
Checkliste für den Umstieg auf Odoo 20
- Freitext bewusst entscheiden: erlauben, mit Sammelprodukten kombinieren oder über „Obligatorisches Produkt“ verbieten. Details hier.
- Team schulen: Brutto/Netto vor der Erfassung wählen, Preisliste vor der Verhandlung setzen.
- Auswertungen anpassen: Dashboards statt alter Menüs nutzen, Kennzahlen wie die Auftragssumme im CRM (jetzt brutto) neu bewerten.
- Vorlagen neu denken: Abschnittsvorlagen statt Firmen-Standardvorlage aufbauen.
- Rechnungsassistent kennen: Mehrmengen-Option bei Festpreisen bewusst setzen.
- Eigene Anpassungen testen: Berichte, Schnittstellen und Automatisierungen gegen die neuen Abläufe prüfen.
Fazit: schneller im Alltag, aufmerksam bei den Details
Odoo 20 macht den Verkauf schlanker: weniger Menüs, mehr Übersicht, wiederverwendbare Bausteine und weniger Klicks beim Abrechnen.
Die meisten Neuerungen sparen Zeit. Einige ändern aber stillschweigend Zahlen – der Brutto/Netto-Schalter, der automatische Preislistenwechsel und die vorausgewählte Mehrmengen-Option. Wer sein Team darauf vorbereitet, profitiert ohne böse Überraschungen.
Sie planen den Umstieg auf Odoo 20 oder möchten Ihren Verkaufsprozess darauf abstimmen? Wir prüfen mit Ihnen, welche Neuerungen für Sie passen, und richten Vorlagen, Preislisten und Auswertungen passend ein.
Telefon: 09521 703969-2
Stand: Odoo 20 Enterprise, Entwicklungsstand vom 25. September 2026, getestet am 6. Oktober 2026 in einer Testdatenbank mit Beispieldaten (SKR03).
Odoo 20 ist noch jung: Einige Beschriftungen sind noch nicht übersetzt, Funktionsumfang und Oberfläche können sich mit Updates ändern.