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Ausgezeichnet gegen Aufpreis: Warum gekaufte Siegel bei der Odoo-Partnerwahl eine Red Flag sind

Wir wurden zum „Business Innovator“ nominiert. Unsere Recherche zeigt: kostenlose Prüfung, kostenpflichtige Siegel-Lizenz und eine automatisierte Auswertung öffentlicher Informationen. Was das über die Wahl eines Odoo-Partners lehrt.
6. August 2026 durch
Ausgezeichnet gegen Aufpreis: Warum gekaufte Siegel bei der Odoo-Partnerwahl eine Red Flag sind
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„LABISO ist als Business Innovator nominiert.“ Dieser Satz stand auf einem Brief, der vor Kurzem bei uns eingegangen ist. Dazu ein goldener Award, große Namen und ein erstaunlich persönlicher Absatz über unsere Arbeit.

Klingt erst einmal nach einer echten Anerkennung. Nach Redaktion, Jury und Wettbewerb. Also nach etwas, worüber man sich freuen und das man stolz auf die Website setzen könnte.

Wir haben genauer hingeschaut. Das Ergebnis: Die Prüfung ist kostenlos. Wer das Siegel anschließend werblich nutzen möchte, bezahlt dafür eine Lizenzgebühr. Bei Unternehmen unserer Größe sind das aktuell bis zu 2.100 Euro netto für zwölf Monate.

Unser Fazit vorweg: Wir machen da nicht mit. Und wir nehmen den Vorgang zum Anlass, über ein Thema zu sprechen, das bei der Auswahl eines Odoo- oder ERP-Partners viel zu selten hinterfragt wird: Was beweist ein schickes Siegel eigentlich wirklich?

Was genau ist bei uns angekommen?

Der Brief teilte uns mit, aktuelle Recherchen hätten LABISO als „herausragenden Vorreiter“ identifiziert. Als Begründung wurden drei konkrete Punkte genannt:

Das ist gut recherchiert – aber keine exklusive Kenntnis einer Fachjury. Alle drei Informationen stehen öffentlich im Internet. Der Anbieter beschreibt sein eigenes Prüfverfahren außerdem so, dass Crawler und technische Analysetools Websites, Bewertungen und weitere öffentlich zugängliche Informationen durchsuchen.

Ob der konkrete Brieftext mit generativer KI formuliert wurde, können wir nicht belegen. Dass die Personalisierung auf automatisiert ausgelesenen öffentlichen Daten basiert, liegt jedoch sehr nahe und entspricht dem offiziell beschriebenen Prüfverfahren.

Wichtig: Der Brief war keine bereits bestandene Auszeichnung. Er sollte uns erst dazu bewegen, den eigentlichen Prüfprozess durch eine Selbstauskunft zu starten.

Die Nominierung ist kostenlos – das Siegel nicht

Der kurze Online-Check und die Teilnahme am Prüfprozess werden kostenlos angeboten. Kostenpflichtig wird es, sobald ein ausgezeichnetes Unternehmen das Siegel tatsächlich für seine Kommunikation verwenden möchte.

Die offizielle Preisstaffel für das „Business Innovator“-Siegel nennt mit Stand August 2026 folgende Nettopreise:

Unternehmensgröße 12 Monate 24 Monate 36 Monate
Bis 3 Vollzeitmitarbeitende 1.200 € 2.200 € 3.100 €
Bis 10 Vollzeitmitarbeitende 2.100 € 3.800 € 5.400 €
Bis 25 Vollzeitmitarbeitende 2.800 € 5.000 € 7.100 €

Weitere Unternehmensgrößen reichen laut Anbieter bis zu 24.000 Euro netto für drei Jahre. Die vollständige Staffel steht auf der offiziellen Preisübersicht.

Das muss man sauber unterscheiden: Bezahlt wird formal nicht dafür, überhaupt geprüft zu werden. Bezahlt wird für die Nutzung des Siegels und das dazugehörige Marketingpaket. Trotzdem entsteht ein offensichtlicher wirtschaftlicher Zusammenhang: Der Anbieter verdient Geld mit den Unternehmen, die nach erfolgreicher Prüfung ihre Auszeichnung öffentlich zeigen möchten.

Genau dieser Zusammenhang gehört transparent auf den Tisch – insbesondere dann, wenn das Siegel später potenziellen Kunden als unabhängiger Qualitätsnachweis präsentiert wird.

Was die eigenen Lizenzbedingungen über die Aussagekraft sagen

Noch aufschlussreicher als der Werbebrief sind die veröffentlichten Lizenzbedingungen. Darin steht unter anderem:

  • Die Prüfung beruht auf frei zugänglichen Informationen und den Angaben des geprüften Unternehmens.
  • Eine eigenständige Verifizierung dieser Angaben findet nicht statt.
  • Die Prüfergebnisse erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit.
  • Ein Anspruch auf Herausgabe der detaillierten Prüfergebnisse besteht nicht.

Das sind keine Unterstellungen von uns, sondern Punkte aus den offiziellen Lizenzbedingungen des Anbieters.

Damit wird das eigentliche Problem sichtbar: Ein goldfarbenes Siegel kann beim Betrachter den Eindruck einer tiefen, unabhängigen Qualitätsprüfung erzeugen. Tatsächlich kann die zugrunde liegende Bewertung weitgehend aus Online-Außenwirkung, öffentlich verfügbaren Signalen und einer Selbstauskunft bestehen.

Ein Siegel kann Marketing sein. Es ist deshalb noch lange kein belastbarer Nachweis für technische Qualität, Projekterfolg oder verlässliche ERP-Beratung.

Wir sind nicht die Ersten, die dankend ablehnen

Die Möbelmacher GmbH hat eine vergleichbare Nominierung zum „Business Innovator“ bereits öffentlich thematisiert. Das Unternehmen entschied sich bewusst gegen den Erwerb des offiziellen Siegels und berichtete, für dessen werbliche Nutzung wären mehrere Tausend Euro fällig geworden.

Der dort formulierte Gedanke trifft auch unsere Haltung ziemlich gut: Das Geld ist in der Qualität der eigenen Produkte, in Mitarbeitenden, Kundenprojekten oder tatsächlicher Innovation besser investiert als in einem Logo, dessen Nutzung bezahlt werden muss.

Den vollständigen Erfahrungsbericht findet ihr unter „Warum die Möbelmacher auf gekaufte Siegel verzichten“.

Augen auf bei der Odoo-Partnerwahl

Damit sind wir beim wichtigeren Punkt. Eine ERP-Einführung ist keine Kleinigkeit. Ihr gebt einem Partner Zugriff auf zentrale Prozesse, sensible Daten und einen erheblichen Teil eurer zukünftigen Arbeitsweise. Eine falsche Entscheidung kostet nicht nur die Lizenz für irgendein Siegel, sondern im schlimmsten Fall Monate, sechsstellige Budgets und sehr viele Nerven.

Wenn sich ein Odoo-Partner hauptsächlich mit vollmundigen Awards, goldenen Plaketten und schwer nachvollziehbaren Gütesiegeln präsentiert, ist das für uns eine massive Red Flag – besonders dann, wenn nicht offengelegt wird, wie die Auszeichnung zustande kam und dass für ihre Nutzung Geld geflossen ist.

Das bedeutet nicht, dass jedes kostenpflichtige Siegel automatisch wertlos ist oder jedes ausgezeichnete Unternehmen schlechte Arbeit leistet. Es bedeutet aber: Das Siegel darf niemals die eigentliche Prüfung des Partners ersetzen.

Diese Fragen solltet ihr bei einem Award stellen

  • Wer vergibt die Auszeichnung und wem gehört der Anbieter?
  • Wie wurden die nominierten Unternehmen ausgewählt?
  • Welche Kriterien, Gewichtungen und Mindestwerte gelten?
  • Werden die Angaben des Unternehmens unabhängig überprüft?
  • Wie viele Unternehmen wurden geprüft und wie viele ausgezeichnet?
  • Muss für Siegel, Urkunde, Veröffentlichung oder Eventteilnahme bezahlt werden?
  • Ist das vollständige Prüfergebnis öffentlich nachvollziehbar?

Bleiben diese Fragen unbeantwortet, behandelt das Siegel bitte als das, was es wahrscheinlich ist: eine Marketingmaßnahme.

Woran ihr einen guten Odoo-Partner wirklich erkennt

Bei der Auswahl eines Odoo-Partners zählen überprüfbare Leistungen. Nicht die Größe der Pokalsammlung.

  1. Nachvollziehbare Referenzprojekte: Lasst euch Projekte zeigen, die in Größe, Branche und Komplexität zu eurem Unternehmen passen. Sprecht nach Möglichkeit direkt mit Referenzkunden.
  2. Offizieller Odoo-Partnerstatus: Der Status allein garantiert ebenfalls kein perfektes Projekt, ist aber transparent über Odoo überprüfbar und zeigt zumindest eine reale Partnerschaft mit dem Hersteller.
  3. Saubere Prozessanalyse: Ein guter Partner beginnt nicht mit blindem Customizing. Er versteht zuerst eure Abläufe, Ziele, Rollen und Probleme.
  4. Technische Substanz: Fragt nach Architektur, Hosting, Updates, Tests, Versionsmigrationen, Schnittstellen und dem Umgang mit individuellen Modulen.
  5. Transparente Grenzen: Seriöse Beratung sagt auch Nein. Sie erklärt, wann Odoo-Standard reicht, wann eine Anpassung sinnvoll ist und wann eine Idee unnötig teuer oder riskant wird.
  6. Klare Projektsteuerung: Zuständigkeiten, Budget, Prioritäten, Abnahmen und Dokumentation müssen von Anfang an nachvollziehbar sein.
  7. Langfristige Wartbarkeit: Ihr braucht keine spektakuläre Demo, sondern ein System, das auch nach Updates, Personalwechseln und fünf Jahren noch funktioniert.
  8. Offenes Wissen: Fachbeiträge, Dokumentation, Vorträge, Podcasts oder Open-Source-Beiträge können echte Kompetenz sichtbar machen – sofern ihr die Inhalte selbst prüfen könnt.

Das Cloudpepper SDK, unser Podcast und unsere Kundenprojekte sind für uns wertvoll, weil man sie ansehen, anhören und hinterfragen kann. Nicht, weil ein Anbieter daraus einen Absatz in einem Nominierungsschreiben gebaut hat.

Häufige Fragen zu Awards und ERP-Partnern


Sind kostenpflichtige Unternehmenssiegel grundsätzlich unseriös?

Nicht automatisch. Entscheidend sind Transparenz, Methodik, unabhängige Prüfung und Aussagekraft. Wenn jedoch die Nutzung teuer ist, Angaben nicht verifiziert werden und detaillierte Ergebnisse nicht zugänglich sind, sollte das Siegel nicht als objektiver Qualitätsnachweis behandelt werden.

Ist LABISO tatsächlich als „Business Innovator“ ausgezeichnet worden?

Nein. Wir erhielten eine Nominierung beziehungsweise Einladung, den kostenlosen Prüfprozess zu starten. Wir haben uns gegen die Teilnahme und gegen den Erwerb einer späteren Siegel-Lizenz entschieden.

Warum veröffentlicht LABISO diesen Beitrag?

Weil Unternehmen bei der Auswahl eines ERP-Partners belastbare Kriterien brauchen. Eine Odoo-Einführung ist zu wichtig, um sich von Awards, Logos oder cleverem Marketing blenden zu lassen.

Was ist der beste erste Schritt bei der Auswahl eines Odoo-Partners?

Definiert eure Ziele und kritischen Prozesse, sprecht anschließend mit mehreren Partnern und lasst euch deren Vorgehen an einem konkreten Beispiel erklären. Gute Beratung wird bei den Details klarer – schlechte Beratung flüchtet in Schlagwörter und Auszeichnungen.

Unser Fazit: Kompetenz muss sich belegen lassen

Wir brauchen keinen gekauften Platz für ein goldenes Siegel auf unserer Website. Wir wollen an unserer tatsächlichen Arbeit gemessen werden.

An Projekten, die funktionieren. An sauberer Beratung. An technischem Know-how. An ehrlicher Kommunikation. Und auch daran, ob wir transparent über Dinge sprechen, die in unserer Branche schieflaufen.

Wenn ihr gerade einen Odoo-Partner auswählt, schaut hinter die Logos. Fragt nach. Lasst euch Projekte, Prozesse und technische Entscheidungen erklären. Ein wirklich guter ERP-Partner hält diese Prüfung aus – und braucht keine bezahlte Plakette als Ersatz für nachvollziehbare Kompetenz.


Transparenzhinweis: Dieser Beitrag gibt unsere eigene Bewertung und Entscheidung wieder. Preisangaben und verlinkte Bedingungen entsprechen dem öffentlich abrufbaren Stand vom 4. August 2026. LABISO steht in keiner geschäftlichen Beziehung zum Anbieter der genannten Auszeichnung.

Ausgezeichnet gegen Aufpreis: Warum gekaufte Siegel bei der Odoo-Partnerwahl eine Red Flag sind
6. August 2026
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